Interview mit Dr. Oliver Kläusler, CEO von Swiss Wood Solutions, zum Grenadillersatz Swiss Ebony (März 2018)

Robert Stempfle: Lieber Oliver, in den öffentlichen Medien wie z.B. dem Schweizer Fernsehen oder Radio hat man in letzter Zeit einiges vom Ersatzholz Swiss Ebony in Verbindung mit Streichinstrumenten vernommen. Wie du weisst, sind wir Holzblasinstrumentenmacher darauf angewiesen einen Ersatz für Grenadill zu finden. Die Beschaffung des Holzes erfordert hohe administrative Aufwände für Bewilligungen. Vor allem aber der Aspekt des Artenschutzes drängt. Wie weit ist nun das Projekt Swiss Ebony für Holzblasinstrumente vorangeschritten und was sind die nächsten Schritte?

Oliver Kläusler: Die ersten Versuche sind bereits gemacht worden mit Drehen, Fräsen und Gewindeschneiden. Auch die Dimensionsstabilität ist bereits besser als bei den bekannten einheimischen Hölzern. Weitere Tests müssen dann deinerseits durchgeführt werden, dein ehrliches und fachmännisches Feedback ist uns wichtig.

RS: Wo siehst Du die grösste Herausforderung bei der Entwicklung von Swiss Ebony für die Klarinette oder Oboe im Vergleich zu Bestandteilen von Streichinstrumenten?

OK: Die grösste Herausforderung geht in den Bereich der Dimensionsstabilisierung gegenüber Feuchtigkeit, da es bei Holzblasinstrumenten immer wieder zu Kondensationsnässe kommt. Diese Art von Feuchtebelastung haben wir im Streichinstrumentensektor schon nicht. Ziel ist es, Swiss Ebony im Quellverhalten um 3% zu reduzieren, dann sind wir schon im Bereich von Grenadill und vielleicht sogar schon etwas besser.

RS: Wie stehen die  Chancen, dass Swiss Ebony definitiv sogar aus Schweizer Holz hergestellt werden kann, so dass Swiss Ebony wirklich Swissmade wäre?

OK: Wir wollen Schweizer Holz nehmen soweit es nur irgend geht, das haben wir auch im Produktnamen drin. Wir werden nur in Ausnahmefällen und wenn es nicht anders geht auf andere Quellen zurückgreifen. Allerdings wird sich das im Produktpreis am Ende nicht widerspiegeln.

RS: Als Instrumentenmacher habe ich selbst das Gefühl, dass die schwarze Farbe des Grenadillholzes nicht mehr so wichtig ist. Hellere Hölzer mit schöner Maserung, leider oft gleichfalls bedrohte Arten, scheinen optisch schon fast attraktiver zu sein. Hat Swiss Wood Solutions eventuell sogar die Möglichkeit Einfluss auf die Farbe zu nehmen?

OK: Ja, wir haben verschiedene Modifizierungsmöglichkeiten und verschiedene Holzarten als Ausgangsmaterial, so dass wir diverse Farbausprägungen herstellen können. Damit lässt sich auch die Farbe des Produktes beeinflussen. So sind auch hellere Varianten vorgesehen.

RS: Wie lange wird es noch etwa dauern, bis Swiss Ebony für Holzblasinstrumente marktfähig ist?

OK: Im Verlaufe des Jahres wollen wir die Versuchsreihen durchgeführt haben, damit wir im Idealfall im Herbst 2018, spätestens für das Frühjahr 2019 für Holzblasinstrumente auch ein adäquates Produkt auf dem Markt anbieten können.

RS: Lieber Oliver, ich danke Dir für dieses Gespräch und ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg bei der Entwicklung. Wir dürfen gespannt sein.