Interview mit Florian Walser, 2. und Es-Klarinette, Tonhalle Orchester Zürich             (Dezember 2018)

Robert Stempfle: Florian, Du bist mit dem Tonhalle Orchester in dem Du die 2. und die Es-Klarinette spielst, kürzlich erst im Fernen Osten (China, Taiwan und Südkorea) auf Tournee gewesen. Als Instrumentenmacher hätte mich besonders interessiert, ob es am Zoll spezielle Prozedere für die Anmeldung der Streichinstrumente gab, deren Griffbretter ja aus Ebenholz sind. Und wurden Euch Holzbläsern Fragen zu Euren Instrumenten aus Grenadill gestellt?

Florian Walser: Der grösste Teil der Instrumente reist in Containern getrennt vom Orchester. Diese werden auf der ganzen Reise begleitet von einer Fachperson, die nur für die Verzollung und die Überwachung des Transports zu den Konzertorten zuständig ist. Insofern bin ich nicht genau im Bild, was unsere Fracht für Bedingungen bezüglich geschützten Holzarten nach dem CITES-Abkommen erfüllen musste. Die Kontrollen der Container waren in China, Taiwan und Südkorea extrem anspruchsvoll, beispielsweise durfte kein Korkfett im Etui sein und die Batterien mussten aus Stimmgeräten entfernt werden. Ich nehme immer ein Instrument im persönlichen Reisegepäck mit. Für dieses Instrument trage ich immer eine Quittung bei mir, die bestätigt, dass das verwendete Holz den Freihandelsabkommen und den Bestimmungen des CITES-Abkommens entspricht. Da ich das Instrument in Paris gekauft habe, habe ich auch die Kopie der Verzollung in die Schweiz dabei. Ich musste die Papiere aber noch nie vorweisen am Zoll.

Robert Stempfle: Gibt es nennenswerte kulturelle Unterschiede in der Orchesteraufführung bzw. Publikum?

Florian Walser: Oh ja :-) Da gibt es riesige Unterschiede! In China lernt das Publikum im Moment, wie wir uns im Konzert verhalten. Eine Konzerthälfte in Wuxi, einer grösseren Stadt ausserhalb Shanghais, habe ich im Publikum miterlebt. Da ist ein Kommen und Gehen, viel Personal, das sich bemüht, die Zuhörer zur Ruhe zu bringen, Leute die einfach reinspazieren und umständlich wieder hinausbefördert werden, und viele Beobachter, die jede Person, die das Handy hervorholt mit Laserpointern warnt. So blinken dauernd rundum rote Lichtpunkte auf. Das Konzert war kein Genuss. Auch ist der Applaus in China nicht frenetisch, wohl auch, weil nach dem letzten Ton jeder das Handy zückt. Bei unserem Openair-Konzert im Zentrum von Shanghai war auch extrem viel Kontrollpersonal anwesend. Man durfte sich etwa nicht an einen Baum lehnen oder auf den Boden sitzen. Vor und direkt nach dem Konzert wird Popmusik eingespielt, was offenbar den Leuten (und mir) sehr gefällt. Das Publikum wird in China ganz offensichtlich intensiv an die klassische Musik herangeführt. Ob diese Mission richtig oder fragwürdig ist, das muss wohl jeder für sich entscheiden. Die grosse Anzahl europäischer Gastorchester, die derzeit nach China reisen, zeigt, dass auch seitens der Orchester, Dirigenten und Solisten ein Interesse am chinesischen Markt besteht. Auf Grund all dieser Erlebnisse eines modernen Kontrollstaates lese ich gerade das neu erschienene Buch „Die Neuerfindung der Diktatur“ von Kai Strittmatter. Südkorea hinterliess einen ganz anderen Eindruck. Hier ist das Publikum sehr aufgeschlossen, begeistert, jubelt und steht nach dem Konzert in eine unendlich lange Schlange, um von Paavo Järvi und Khatia Buniatishvili ein Autogramm zu bekommen. Man hat zumindest als Kurztourist das Gefühl, dass die Menschen hier freier sind. Der Artikel im Tages-Anzeiger Magazin vom Samstag 17.11.18 über das Lebensgefühl der jungen Menschen in Südkorea ist aber erschreckend.

Robert Stempfle: Hattet Ihr evtl. sogar Kontakt zu einheimischen Musikern? 

Florian Walser: Natürlich lernt man auf Tournee immer wieder auch Orchestermusiker der jeweiligen Städte kennen. Oft sind auch Studenten da, die ganz ungeniert Kontakt mit uns aufnehmen. Vor allem Kolleginnen und Kollegen, die bei uns in den Hochschulen unterrichten, werden oft auch für Masterclasses angefragt.

Robert Stempfle: Florian, Du hast auf die Reise auch 2 Mundstücke von mir zu Testzwecken mitgenommen - das eine mit Grenadill-Einsatz, das andere mit einem Einsatz aus Sonowood. Wie haben sich die Mundstücke bewährt?

Florian Walser: Du hast mir ja vor meiner Abreise ganz überraschend die beiden Vandoren BD5 Mundstücke mit Holzeinsatz übergeben mit der Idee, diese zu testen. Ein tolles Angebot und eine wirklich innovative Idee von Dir, die obersten Zentimeter des Klarinettentons auch mit Holz zu umgeben. Ich fahre regelmässig zu Vandoren seit ich BD5 spiele und probiere da vielleicht jeweils bis zu 40 Mundstücke aus. Manchmal ist ein Gutes dabei, das nehme ich mit. Nun hast du zwei beliebige neue Mundstücke genommen und mit dem Holzeinsatz versehen. Ich kann sagen, ich bin total erstaunt, dass beide Mundstücke wunderbar zu mir passen. Ich habe auf Tournee ausschliesslich auf dem Mundstück mit dem Grenadill-Einsatz gespielt. Dieses war sehr stabil, hat wenig Wasser aufgenommen und tadellos funktioniert. Es ist aber sicher so, dass man auf Tournee weniger Stunden mit dem Instrument spielt, als zu Hause. Seit einer Woche spiele ich immer auf dem Mundstück mit dem Sonowood- Einsatz. Es ist in Klang und Ansprache etwas dunkler und runder.

Robert Stempfle: Wie fällt nun Dein Testfazit aus?

Florian Walser: Beide von Dir bearbeiteteten Mundstücke sind auf Anhieb und auch nach einem Monat wirklich gut und angenehm zu spielen. Dies spricht ganz eindeutig für Deine Idee. Ich werde daher beide Mundstücke kaufen und weiter testen. Ich bin gespannt, wie sich Deine Idee verbreiten und bewähren wird. Leichte Veränderungen hat es beim Sonowood gegeben, da müsste man nocht etwas weiter entwickeln um auf die gleiche Stabilität zu kommen wie beim Grenadill, so meine Meinung. Wie geht es weiter mit dem Sonowood, was mir von der Idee her sympathischer ist?

Robert Stempfle: Du hast Recht Florian, ich werde die noch etwas ungenügende Dimensionsstabilität au jeden Fall mit Swiss Wood Solutions baldigst besprechen, da besteht noch Verbesserungspotenzial. Der Einsatz von Sonowood im Klarinettenmundstück wird mit der nächsten Entwicklungsgeneration von Swiss Wood Solutions in den Mundstücken noch einmal getestet werden müssen. Das entspräche durch die permanente Feuchtigkeitsumgebung dann auch einem "Elchtest". Dir erst einmal herzlichen Dank für das ausgiebige Testen und das ausführliche Feedback und Interview!